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Kapitel 3: Theorien der Sozialraumorientierung

Einführung

Sich mit Theorie zur Sozialraumorientierung auseinanderzusetzen, ist wie eine photografische Betrachtung mit verschiedenen Auflösungsgraden (von individuell über sozial und kommunal bis hin zu global) wobei die Perspektive eine ist, die jeweils auf Stärken und Ressourcen blickt, dabei kritisch beleuchtet wie Stärken und Ressourcen übersehen, geschwächt oder aber gefunden und genutzt werden können.

Wir sehen einen Menschen in seinem Wohnzimmer. Ein individueller, defizitorientierter Auflösungsgrad könnte die (beginnende?) Fettleibigkeit oder den Nikotinkonsum problematisieren, oder sich suchend umschauen und die verwahrloste Küche entdecken.

Als Betrachter kann man sich aber auch für eine Stärkenperspektive (siehe "Das Stärkemodell" in diesem Kapitel) entscheiden, wozu dieses Bild zugegebenermaßen zu wenig hergibt. Man würde hier also eher die Perspektive des Fotographen und nicht den jungen Mann problematisieren.

Wie Sie gemerkt haben wird hier auf die Stärkenperspektive hingewiesen, mit der Sie sich im Unterkapitel 2 beschäftigen können.

Nun lässt sich der junge Mann aber auch als Teil (s)eines sozialen Netzwerks betrachten: Er hat Familie, Freunde und Bekannte, trifft sich möglicherweise in seinem Fanclub, ist aber auch mit Fußballbegeisterten aus anderen Städten in Kontakt, für die er den Versand von Fanartikeln organisiert.

Im einem solchen Netzwerk steckt immer auch Soziales Kapital (siehe der gleichnamige Theorieansatz in diesem Kapitel). Was sich dahinter versteckt können Sie in Unterkapitel 3 ergründen und auch wie Soziales Kapital mit starken, aber auch schwachen Beziehungen zusammenhängt und welche Beziehungen für den Kontext einer sozialräumlichen Sozialer Arbeit bedeutsamer sind.


Erhöht man die Distanz der Betrachtung weiter, so lässt sich aus der Vogelperspektive erkennen, wie institutionelle oder auch gesellschaftliche Bedingungen in das Leben des Mannes hineinwirken, egal ob ihm dies bewusst ist oder nicht.

Dass er es schick findet, in 501er Levi's herumzulaufen, hat auch etwas mit einem globalen Großkonzern zu tun. Dass er sich schlecht dabei fühlt, keinen bezahlten Job zu haben, wird durch unsere Vorstellung über Ursachen von Arbeitslosigkeit beeinflusst und der dementsprechenden Behandlung durch die Institutionen, die dafür aufgebaut wurden: Arbeitsamt, Arbeitslosenunterstützung, Beratungsstellen, Trainingsmaßnahmen,...

Die Beeinflussung von Markt und Institutionen entzieht sich u.U. der Wirkungsmöglichkeit des jungen Mannes. Dieser Umstand wird in einer einzelfallbezogenen Sozialen Arbeit oftmals systematisch ausgeblendet, was dazu führt, dass die Ursachen für Probleme, die Menschen haben, in die Menschen hineinverlagert werden.

Dagegen wendet sich das Konzept der Lebensweltorientierung (siehe die am Schluss des Kapitels folgende Darstellung dieser Theorie), das Lebenswelt als Schnittpunkt von Subjektivem (Individuellem, Persönlichem, Biographischem) und Objektivem (Institutionellem, Organisatorischem, Gesellschaftlichem) konzipiert. Ziel ist dabei der respektvolle Umgang mit Lebensentwürfen einzelner Menschen, woraus sich Anforderungen und Optimierungsnotwendigkeiten an institutionelle Ordnungen ergeben. Lebensweltorientierung will Menschen in den Schwierigkeiten helfen, die sie mit sich und für sich selbst haben, aber nicht in den Schwierigkeiten, die andere mit ihnen haben.

So, jetzt kann das Theorieabenteuer beginnen.