Kapitel 2: Das Handlungsfeld I - Individuum

Vom Willen zum Ziel

Vorgehensweise: Zeit für Umwege

Hilfeplanung braucht die Zeit, die sie braucht. Hilfeplanung lässt sich nicht wie eine Tagesordnung abarbeiten. Es geht um wichtige Dinge. Adressaten wollen ihr Leben verändern, ihren Alltag umgestalten. „Alltag umgestalten“ heißt immer sich von etwas Bekanntem, bedingt Erfolgreichem, von etwas Erprobten zu lösen und etwas Neues zu probieren. Das verunsichert. Das hat mit Risiko, Versuch und Irrtum zu tun. Deshalb dürfen wir uns einen solchen Weg nicht linear vorstellen. Auch wenn die folgende Grafik das nahe legt. Denken wir uns einen solchen Prozess besser als sich überlappende Schlaufen, produktive Rückschritte und Sprünge. Dann passt´s.

Im Folgenden wird Ihnen der Methodenschritt zweimal vorgestellt:

  1. abstrakt und als Phasenmodell
  2. im Rahmen des Fallbeispiels „Katja“


Wenn Sie die Abbildung mit der Maus untersuchen, erhalten Sie Erläuterungen zu den Begriffen.

Auf den nächsten Seiten wird auf zwei Schritte im Phasenmodell noch näher eingegangen: "Marschrouten in SMARTEN Schritten" und "Verträge machen".

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Situationsbeschreibung:
Im Rahmen der Situationsbeschreibung geht es vor allem um aktives Zuhören. Zu klären sind die Fragen: Was belastet den Adressaten? Wie sieht der örtliche und zeitliche Kontext der Belastung aus? Wie sieht der soziale Kontext der Belastung aus? Wer im Netzwerk denkt wie über die Belastung oder die Lösung nach?

Besteht bei der Adressatin oder dem Adressaten ein Veränderungswille? Gibt es in seinem Handeln oder Planen einen Hinweis auf diesen Veränderungswillen?

Ressourcencheck/Zielunspezifische Suche nach Ressourcen:
Ziele sind nicht nur das Ergebnis der Analyse von Belastungen oder der Idee, wie ein erfüllterer Alltag aussehen könnte. Ziele ergeben sich auch aus Gelegenheiten, die erst dann ins Blickfeld geraten, wenn klar wird, auf welche Ressourcen (eigene Ressourcen wie Wissen, Können, Kontakte, materielle Ressourcen) ein Adressat zurück greifen kann.

Sollte es also nach der Beschreibung der Situation nicht Aufgaben geben, die sofort angegangen werden müssen, werden als erstes die Ressourcen des Adressaten (siehe die Abschnitte „Ressourcencheck“ und "Eco-Map oder Genogramm" in diesem Kapitel!) zusammengetragen und geprüft, ob sich aus diesen Ressourcen Ziele ergeben.

Leuchtfeuer finden:
Leuchtfeuer verweisen auf bedeutsame Ziele, keine Alltagsziele, die schon im Rahmen von Routinen anvisiert und erreicht werden können. Leuchtfeuer sind die Visionen, die Träume, das im Leben Sinn machende: der Traumberuf, die eigene Wohnung, die Klärung von Konflikten, die die Beziehung zu einem wichtigen Menschen belasten, das Gesunden von einer Krankheit.

Leuchtfeuer machen aus, dass wir ihnen andere Ziele unterordnen, dass wir unsere Möglichkeit auf dieses Leuchtfeuer zu bündeln bereit sind. An Leuchtfeuern halten wir auch trotz Widerständen fest.

Erkennbar wird ein Leuchtfeuer an der Intensität, mit der es von einem Adressaten verfolgt wird bzw. an der Bildhaftigkeit, mit der er seine Situation nach Erreichen der Situation beschreiben kann.

Zielspezifischer Ressourcencheck:
Nach Klärung des Leuchtfeuers kann eine nochmalige In-Blicknahme der Ressourcen des Adressaten sinnvoll sein.

Hier wird entweder ein Eco-Map bzw. ein Genogramm als Ressourcensucher durchgeführt, wobei das gefundene Leuchtfeuer nun wie ein Netzwerkfilter wirkt. Die Suche wird in der Regel nur die aufblenden, die der Adressat in einen Ziel-Mittel-Zusammenhang zum Leuchtfeuer bringt.

Oder aber: Ein weiterer Ressourcencheck richtet sein Augenmerk nochmals auf den Adressaten und sein Netzwerk und sucht Ressourcen, die zur Erreichung des Leuchtfeuer nützlich sein können. Die Ergebnisse des anfänglichen Ressourcenchecks können natürlich auch nochmals darauf hin „gescannt“ werden, inwieweit die bereits gefundenen Ressourcen hilfreich sein können.

Marschrouten:
Mit Marschrouten werden die verschiedenen Wege bezeichnet, die zur Realisierung eines Leuchtfeuers nötig sind. Beispiel: Sie wollen die kommenden Semesterferien in Neuseeland verbringen (ein Traum wird wahr!!)

Marschrouten könnten hier sein: (1) Job finden, damit die nötigen Euros da sind (2) Anreise und Aufenthalt in Neuseeland klären (3) Zimmer in der WG in dieser Zeit untervermieten und (4) Versorgung der Blumen und der Meerschweinchen sichern.

Im folgenden Verlauf dieses Kursabschnitts wird auf diese Phase näher eingegangen.

Tun:
Dann geht’s an die Umsetzung.

Evaluation:
Und nach der Umsetzung kommt die gemeinsame Bewertung: Schritt erfolgreich? Dem Ziel näher gekommen? Stimmt die Vereinbarung noch? Oder haben sich andere Themen in den Vordergrund geschoben? Haben sich Gelegenheiten ergeben, die Einfluss auf das weitere Handeln nehmen? Aber dazu mehr in den Abschnitten Evaluation und Gelegenheiten, (der Wermutstropfen in der SMARTEN Zielplanung - siehe dazu die Erklärung zum Begriff "Marschrouten" und die Ausführungen im weiteren Verlauf dieses Abschnitts!)

Vertrag, Verträge machen:
Die Absprachen, hier Verträge genannt, die Sie mit Ihren Adressaten machen, sollten in der Formulierung die Verbindung zu den Zielen deutlich halten. Dies kann mit „um zu“-Formulierungen erreicht werden.

Im folgenden Verlauf dieses Kursabschnitts wird auf diesen Punkt näher eingegangen.

SMARTE Schritte
Bzw. Marschroute in „SMARTEN“ Schritten konkretisieren.

Im folgenden Verlauf dieses Kursabschnitts wird auf diesen Punkt näher eingegangen.